Neue Regeln nach Mammut-Delegiertenversammlung



Nach über 5 1/2 Stunden teils hitziger Dikussionen wurden am Samstag in Bern neue Regeln für die kommende Saison verabschiedet. Auch wurde der neue Vorstand des Schweizerischen American Footballverbandes neu gewählt.


Rund 35 Vertreter des Schweizerischen Footballverbandes und der einzelnen Vereine nahmen an der Delegiertenversammlung teil und verabschiedeten dabei einige bedeutsame Regeln für die Ende März/Anfang April beginnende Footballsaison.

Für den beinahe komplett zurücktretenden Vorstand um Präsident Hans Zutter wurden einstimmig Dieter Witschi, der schon vor Zutter die SAFV-Geschäftsleitung anführte, zum Präsidenten gewählt. Vizepräsident wird Thomi Günther (Bild), der mehrere Jahre bei den Broncos in der Offense Line spielte und danach auch als Präsident - so auch im denkwürdigen Jahr 2003 mit dem ersten Broncos-Meistertitel - im Amt war. Neue Finanzchefin wird Manuela Schmid aus Basel. Die weitere Besetzung der SAFV-Geschäftsleitung ist international: Hans Zwicker aus Österreich und Olaf Westermann aus Deutschland bilden die Technische Direktion, Christoph Piringer aus Hohenems wird das SAFV-Sekretariat, das in Zukunft werktags jeweils von 9-12 Uhr besetzt sein wird, von seiner "Zentrale" der Blue Devils aus leiten. Zu den Blue Devils später mehr.

Jetzt gehts ans Eingemachte


Der SAFV hat Ambitionen, dies kam am Samstag ganz deutlich zum Ausdruck. Der Verband wird im nächsten Jahr rund 40'000 Franken investieren: Dabei werden mit Präsident Witschi und dem Sekretariat von Christoph Piringer erstmals Personen aus der Geschäftsleitung mit einem tiefen fünfstelligen Betrag entschädigt, zudem sollen in weiteren Kommissionen mit finanziellen Anstössen Impulse ausgelöst werden. Die Kosten werden zur einen Hälfte von den Mitgliedklubs getragen, zur andern Hälfte mit Verbandsreserven gedeckt. Der SAFV hat momentan über 100'000 Franken in cash auf der Seite, dazu Debitoren von über 40'000 Franken. Laut Dieter Witschi sollen sich die geschaffenen Kapazitäten aber sicher auch positiv in Bezug auf die desolate Sponsorensituation des SAFV auswirken. Für die Klub selbst bedeuten die Investitionen einen höheren SAFV-Mitgliedsbeitrag, für die A-Teams um 1500, für die B-Teams um 1250 und für assimilierte Teams um 500 Franken im Jahr.

Cineplexx Blue Devils spielen in der Schweiz


Neu im SAFV dabei sind die Lausanne University Club (LUC) und nach kurzen Diskussionen, aber insgesamt wenig Gegenwehr auch die Cineplexx Blue Devils aus Hohenems, die mit ihrer ersten Mannschaft Österreich den Rücken kehren und 2010 neu in der Schweiz spielen. Dass Präsident Christoph Piringer die noch offenen Rechnungen aus alten Jahren vor Ort beglich, reichte den allermeisten Klubvertretern, die Vorarlberger wieder im SAFV aufzunehmen. Dabei setzen die Blue Devils nicht zuletzt auch auf die St.Gallen Raiders, die sich an der DV den Österreichern anschlossen und ihre sofortige Auflösung bekanntgaben. Damit scheint das Kapitel American Football in St.Gallen - noch vor einem Jahrzehnt glänzender Stern am Schweizer Footballhimmel und zuletzt nur noch ein belächelter Schatten seiner selbst - zumindest für den Moment beendet. Wo die Blue Devils spielen werden, wird die Geschäftsleitung entscheiden. Nach einer Umfrage bei den Klubvertretern scheint es eine Pattsituation zwischen NLA und NLB zu geben, mit den meisten Stimmen bei einer Kompromisslösung. Diese sieht vor, dass Hohenems auch ein U19-Team stellen müsste, um für die NLA in Betracht gezogen zu werden - dies scheint im Moment aber in weiter Ferne, da dieses Team quasi als zweite Aktivmannschaft in Österreichs 2. Liga spielen soll. Die Geneva Seahawks, tief in der Kreide beim SAFV und deshalb ohne Stimmrecht, verliessen die DV irgendwann und werden 2010 wohl nicht mehr teilnehmen. Sicher in der NLA werden die Broncos, die Renegades, die Grizzlies, die Warriors und die Gladiators spielen. In der NLB treten die Basel Meanmachine, die Lausanne LUC, die Thun Tigers, die Luzern Lions, die Fribourg Cardinals, die Bienna Jets und erstmals eine zweite Mannschaft der Zürich Renegades an - dazu wie erwähnt irgendwo die Cineplexx Blue Devils.

Weiter nur mit grauen Handschuhen

Zu den Anträgen: Die beiden Broncos-Anträge zu den Themen "Standort der SAFV-Versammlungen" und "Umsetzung von Import-Reglementen" wurden ebenso klar abgelehnt wie die meisten, mehr regeltechnischen Anträgen der Basel Meanmachine. Angenommen wurde der Antrag, dass in Zukunft auch Metallstollen an den Schuhen zugelassen sind, ganz knapp abgelehnt die Anträge, die Mercy Rule auf 42 Punkte anzuheben und dass Handschuhe in allen Farben erlaubt sein sollen. Es bleibt also alles beim Alten: Nur graue Handschuhe sind erlaubt.

Kompromisslösung um die Importregel


Die viel diskutierte und lang erwartete Schlacht um die Neuerung des Import-Reglements endete in einem Kompromiss, der aber durchaus richtungsweisend sein könnte. Die 100-km-Regel hielt nicht lange stand und wurde zerpflückt, bis die den Antrag stellenden Renegades diesen Passus zurückzogen. Mit zwei Drittel der Stimmen wurde dafür der schwammige Artikel angenommen, dass ein Spieler neu ein Import (neu: Profi) ist, wenn er im Ausland "auf mit College Football vergleichbarem oder höherem Niveau spielberechtigt" war, was faktisch das Ende der Double-Passport-Amerikaner in der Schweiz bedeuten soll. Dass diese neuen Regelungen vor Gericht nicht "verheben" würden, wurde auf die Seite geschoben. Es wurde darauf hingewiesen, dass der Artikel so verabschiedet werden könne, aber deswegen noch lange nicht rechtens sein müsse. Auch wurden verschiedene Ausnahmen formuliert, so dürfen beispielsweise Doppelbürger, die 2009 in der Schweiz spielten, weiterhin "importfrei" bei ihrem Klub spielen. Ausserdem sind wie bisher Spieler von der Regel ausgenommen, die schon seit fünf oder mehr Jahren im SAFV lizensiert sind und Spieler, die ihre erste Lizenz in Europa gelöst haben - wie beispielsweise Tissi Robinson (Bild). Ob die neue Regel in eine Art "Gentlemans Agreement" oder in einen Rechtsstreit führt, wird sich weisen. Nach jahrelanger Kontinuität bei der Import-Regelung hat die Schweiz nun auf jeden Fall eine Holperlösung, die auch im nächsten Jahr wieder überarbeitet werden muss und 2010 einzig und allein bewirkt, dass die international spielenden Schweizer Teams geschwächt werden - eine gute Lösung sieht leider anders aus.

Neu: 2 Amerikaner auf dem Feld erlaubt


Fast schon paradoxerweise nahmen die Delegierten kurz darauf einstimmig den Antrag an, wonach ab nächster Saison zwei statt wie bisher nur ein (College-Football)-Amerikaner auf dem Feld stehen darf. 

Klar angenommen wurde auch ein Antrag von Winterthur, dass die Meisterschaftsspiele zukünftig neben dem Sonntag auch regulär am Samstag (Juniors 15 Uhr, Seniors 19 Uhr) stattfinden können. Ohne Chance war dafür ein Anliegen Basels, in den Statuten den Amateurstatus des SAFV zu verankern, Basels Powerduo Dwayne und Bärbel Woods zogen den Antrag noch vor der Abstimmung zurück.

Trotz den teils hitzigen Diskussionen herrschte am Ende nach fast sechsstündiger Marathonsitzung ein guter Geist, was die Zukunft des Schweizerischen American Football betrifft. Die Zutaten dazu: Eine frische, breit abgestützte Geschäftsleitung und zahlreiche ambitionierte Teams in NLA und NLB, die organisatorisch insgesamt stabiler wirkten als in früheren Jahren.



Hier gehts zum Gästebuch.








Veröffentlicht am:
20:08:09 21.11.2009 von Broncos_Redaktion

Letzte Aktualisierung
22:24:29 21.11.2009


-->