Die Topklubs des letzten Jahrzehnts



Hier gehts zu den kompletten Statistiken der Jahre 2000-2009
Hier gehts zum Gästebuch

Nach drei Monaten Maui und der üblichen US-Football-Dosis im Herbst sind die Pferdeflüsterer wieder zurück. Lan Bronx, Buck McStone, Cal N. Siffredi und Shane Wrangler haben sich in der letzten Woche - besten Dank den Broncos-Sponsoren für den grosszügigen Auftrag - im Bunker eingeschlossen und das letzte Football-Jahrzehnt in der Schweiz nochmals Revue passieren lassen. Hier ihre geistigen Ergüsse.


Die vergangene Dekade im Schweizer American Football hat erstaunliche Serien, Überraschungen und Enttäuschungen gesehen. Nur gerade sechs Schweizer Teams haben alle zehn Saisons mit der ersten Mannschaft gespielt (Broncos, Gladiators, Grizzlies, Jets, Renegades, Warriors), bei den Junioren war es nur ein Team mehr (Seahawks), das dafür das nächste Footballjahr voraussichtlich nicht mehr im SAFV in Angriff nehmen wird. Insgesamt spielten in den letzten zehn Schweizer Footballjahren nur 17 Klubs in der Aktiven- oder der U19-Meisterschaft mit, wobei dem Aus der St. Gallen Vipers/Raiders und der Geneva Seahawks die Etablierung der Thun Tigers, der Fribourg Cardinals und der Luzern Lions gegenübersteht. Fünf verschiedene Teams haben bei den Seniors den Meisterpokal mindestens einmal in die Höhe stemmen können, bei den U19-Juniors waren es vier. Aber nun erstmal schön der Reihe nach.

Wer waren die Top-Teams des Jahrzehnts? In dieser rein sportlichen Berechnung gehen wir von folgenden Überlegungen aus: Basis ist die durchschnittliche Rangierung in den letzten 10 Football-Jahren, jeder Rang wird mit dem entsprechenden Rangpunkt gewertet (Beispiel 2010: Calanda 1, Zürich 2, ...). Darüber hinaus gibts Bonuspunkte, mit denen ein Team seine Punktzahl verkleinern kann: Ein Swiss-Bowl- oder ein Juniors-Bowl-Sieg ist 1 Minus-Bonuspunkt wert, eine Final-Qualifikation 0.4 Minus-Bonuspunkte. Ebenfalls 0.4 Minus-Bonuspunkte werden Teams gutgeschrieben, die im Efaf-Cup die Gruppenphase überstanden haben (Renegades 2006, Warriors 2007). Berücksichtigt werden die Tackle-Footballteams der Seniors und jene der U19-Juniors. Die U16-Meisterschaft wird hingegen noch nicht einbezogen, da diese bisher erst einmal gespielt wurde - und überdies dieselben drei Teams die Nase vorn hatten wie in der Gesamtwertung. Die Flag- und Cheerleader-Meisterschaften werden ebenfalls nicht berücksichtigt, auch nicht schwer messbare Faktoren wie Organisation, Zuschauerinteresse, Medienpräsenz und weiteres, da sich das Decade Ranking bewusst nur auf die Resultate der Tackle-Football-Teams beziehen soll. Die NLA-Meisterschaft ist der wichtigste Wettkampf in der Footballschweiz, deshalb wird diese im Gesamtranking mit 75%, die U19-Juniorenmeisterschaft mit 25% gewichtet.


Die erfolgreichsten Schweizer Tackle-Football-Klubs von 2000-2009:

1. Zürich Renegades (-14.3 Wertungspunkte): Die Zürcher haben sich im letzten Jahrzehnt zum Schweizer Topteam gemausert: Den Grundstein dazu legten sie mit 8 Swiss-Bowl-Teilnahmen und 5 Siegen - ein erstaunliches Comeback, wenn man bedenkt, dass die Renegades in den 90er Jahren nie im Swiss Bowl standen. Den Titel als erfolgreichster Klub des Jahrzehnts untermauerte der Schweizer Rekordmeister mit dem zweiten Gesamtrang bei den Junioren (4 Final-Teilnahmen, 2 Siege). Daneben stehen mehrere in die heute nicht mehr existierende NFL Europe berufene Spieler und eine Halbfinalqualifikation im Efaf Cup im Palmarès. Sportlich gibts bei den zwar unspektakulären, aber durchs Band grundsoliden Renegades wenig zu meckern: Zu wünschen übrig lässt dafür das Gameday-Erlebnis, das ohne Speaker und Rahmenprogramm in Witikon leider einen unwürdigen Rahmen für die Zürcher Erfolge bietet.

2. Basel Gladiators (4.6 Wertungspunkte): Für einige sind die Gladiators so etwas wie die Buffalo Bills der Footballschweiz: Die Basler klassierten sich im letzten Jahrzehnt sechs Mal in den Top 3 und standen zweimal im Swiss Bowl - und unterlagen zweimal nach hartem Fight. Der Taucher 2008 in die NLB darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Glads auch bei den Seniors ein starkes Football-Jahrzehnt hinter sich haben. Auf den zweiten Platz spült die Glads aber vor allem das U19-Team, das im letzten Jahrzehnt klare Nummer 1 in der Schweiz war, sieben Mal im Final stand und fünf Titel holte. Umso tragischer für Dwayne Woods und seine Mannen, dass es in der Königsklasse noch nicht zum Ring gereicht hat.

3. Calanda Broncos
(9.7 Wertungspunkte): Die Erfolgskurve der Broncos verlief im letzten Jahrzehnt zwar äusserst unkonstant, dafür aber auch umso spektakulärer: Zweimal kämpften sich die Bündner mit einem rein einheimischen jungen Team in die NLA zurück, wo sie dann mit herausragenden Verstärkungen im Jahr 3 (2003) und im Jahr 2 (2009) nach dem Aufstieg den Titel holten. Bedenkt man, dass die Wildpferde überdies in den letzten beiden Jahren der 90er Jahre zweimal in Serie (allerdings erfolglos) im Swiss Bowl standen, müssen die Broncos mit 5 Finalteilnahmen in den letzten 12 Jahren sicher als erste Herausforderer der Renegades gelten. Die Broncos wiesen aber auch zu Beginn und in der Mitte des Jahrzehnts mehrere Jahre der Mittelmässigkeit auf, in denen sie auch insgesamt drei Jahre lang in der NLB spielten. Auch die Broncos Juniors erlebten nach der Finalqualifikation 2001 einige schwächere Jahre, die letzten vier Jahre allerdings hoben sie das Niveau mit den Schlussrängen 3, 3, 3 und 2 aber deutlich. Die Broncos waren das wohl meistdiskutierte Schweizer Team des Jahrzehnts: So waren die Bündner 2001 Ausgangspunkt für die Switzerland Big Reds, eine inoffizielle Schweizer Nati, die in den USA ein Camp und ein Spiel gegen die West Virginia Bulldogs bestritten. Weiter waren die Broncos das einzige Team der Dekade, das sich im höchsten europäischen Wettbewerb, dem Eurobowl, versuchte. Und in den letzten Jahren kam es zu weiteren vielbeachteten internationalen Spielen, so beispielsweise 2007, als die Broncos innert vier Tagen zwei Spiele gegen US-Colleges bestritten und 2009 mit einem weiteren Ernstkampf gegen das North Central College nachlegten. Auch die Titelgewinne sorgten für Aufsehen: 2003 holte sich das knapp 25 Mann starke Nobody-Team um Quarterback Neil Hall in sensationeller Manier die Schweizer Meisterschaft - im Halbfinal wurden dabei die zuvor zwei Jahre ungeschlagenen Renegades nach zehn Führungswechseln mit 29:28 gebodigt (und verhinderten so praktisch im Alleingang einen möglichen fünffachen Titelgewinn der Zürcher). Im Final schliesslich wurde auch Basel nach einem Hitchcock-Finale mit einem Last-Second-Field Goal besiegt und damit die Junioren-Equipe, die nach einem denkwürdigen Halbfinal in Basel unterlegen waren, gerächt. Auch der Titelgewinn 2009 schlug hohe Wellen, holten sich die Bündner den Titel doch mit der wohl stärksten Import-Crew, die je in der Schweiz spielte. Die hervorragende Transferpolitik führte gar dazu, dass die Delegierten zwei Jahre in Serie das Ausländerreglement verschärften, um die drohende Dominanz der Bündner zu brechen (2008 von Bern, 2009 von Zürich/Basel initiert) - ein ebenso einmaliger wie fragwürdiger Vorgang in der Schweizer Footballgeschichte. So oder so sind die Broncos zum Ende der Dekade erfolgsverwöhnt, verfügen über die höchsten Zuschauerzahlen und Medienpräsenz und standen zuletzt gleich viermal in Serie im Final: 2006 in der NLB (als Verlierer), 2007 erneut in der NLB (als Gewinner und Aufsteiger), 2008 in der NLA (als Verlierer) und 2009 erneut (als Swiss Champion).

4. Winterthur Warriors
(10.0 Wertungspunkte): Die Winterthurer waren 2009 das Überraschungsteam des Jahres, die grossen Jahre der Zürcher fanden aber Mitte des Jahrzehnts statt, als die mit Amerikanern und anderen Imports (insbesondere aus dem Bündnerland) gespickten Zürcher viermal in Serie im Swiss Bowl standen - und immerhin auch einmal den Titel holten. Im Zuge der grossen Warriors-Erfolge qualifizierten sich die Winterthurer auch einmal für das Efaf-Cup-Halbfinale und sind damit das einzige Schweizer Team neben den Kantonsrivalen der Renegades, die die Efaf-Gruppenphase im letzten Jahrzehnt überstanden hat. Auch bei den Juniors sind die Warriors ein fester Wert und konnten 2004 gar einen Meistertitel holen - allerdings hinken die U19-Warriors seither der Schweizer Spitze hinterher, trotz einer riesigen Flag-Abteilung war der Abstand zu den Top-Teams zuletzt frappant, was nicht zuletzt die 6:50-Pleite im Halbfinal in Landquart belegte. In Zukunft dürfte Winti aber auf allen Stufen ein gewichtiges Wörtchen mitreden, auch wenn man bei den Imports verhaltener vorgehen will als zu den erfolgreichsten Jahren. Ein Rückfall ins Schweizer Mittelfeld - wo die Warriors zu Beginn des Jahrtausends waren - ist trotzdem nicht zu erwarten.

5. Bern Grizzlies
(14.8 Wertungspunkte): Nach mehreren Jahren des Mittelmässigkeit haben sich die Bern Grizzlies in der Mitte des letzten Jahrzehnts an der Schweizer Spitze zurückgemeldet. Basis dazu war eine starke einheimische Basis und grundsoliden, wenn auch wenig spektakulären Football. Ironie des Schicksals, dass die Grizzlies ihren einzigen Titel genau dann holten, als sie an der Transferfront „wüteten“: Mehrere Imports aus den USA und vom Aufsteiger und Kantonsrivalen aus Thun - die daraufhin sang- und klanglos wieder in die NLB abstiegen - brachten den Grizzlies 2007 zurück auf den Schweizer Football-Olymp. Wenig Stricke reissen konnten in der 2000-Dekade die Grizzlies Juniors: 2003 qualifizierten sie sich immerhin für einen Junior Bowl (den sie verloren), in den letzten sechs Jahren standen sie aber nur noch ein einziges Mal in den Halbfinals.

6. St. Gallen Vipers (21.4 Wertungspunkte): Die St. Gallen Vipers starteten 2000 mit dem vierten Meistertitel in Folge ins neue Jahrzehnt und zeigten 2002 mit der Finalqualifikation noch ein letztes Lebenszeichen. Dann war Ende Feuer in der Ostschweiz, die Ränge 6, 5, 5, 10, 10 und 10 folgten - 2009 verzichteten die Vipers, mittlerweile wieder in Raiders umgetauft, auf die Teilnahme an der Meisterschaft, im Herbst 2009 gaben die einstigen Dominatoren ihr Footballprogramm auf und schlossen sich den Hohenems Blue Devils an. Eine ähnlich desolate Entwicklung machten die Vipers Juniors durch, ein 5. Rang war für die jungen Schlangen und Freibeuter das beste Resultat des Jahrzehnts.

7. Geneva Seahawks
(23.1 Wertungspunkte): Einen ebenso tragischen Absturz erlebten die Geneva Seahawks, in den 90er Jahren immerhin dreimal Finalist und einmal Meister. Rang 4 im Jahr 2000 war die beste Platzierung der Genfer im letzten Jahrzehnt, nach mehreren kleinen Abstürzen folgte 2009 der endgültige Crash mit dem Rückzug aus der laufenden Meisterschaft - die Seahawks sind seither sprichwörtlich in der Versenkung verschwunden. Immerhin trumpften die Seahawks Juniors zeitweise gross auf und gewannen 2005 und 2006 zwei Meistertitel und wurden damit das dritterfolgreichste Juniors-Team des Jahrzehnts.

8. Bienna Jets
(23.6 Wertungspunkte): Auch die Jets starteten stark in die Dekade, holten sich einen Qualifikationssieg, scheiterten aber zweimal en suite in den Halbfinals. Nach dem Abstieg in die NLB 2006 mussten die Jets endgültig Farbe bekennen, dreimal in Serie verpassten sie den Wiederaufstieg und müssen weiterhin vom ersten Titelgewinn - der heute ausser Reichweite scheint - träumen. Auch die Jets Juniors konnten wenige Glanzlichter setzen, immerhin reichte es 2004 zu einer (allerdings) verlorenen Finalteilnahme.

9. Thun Tigers (29.7 Wertungspunkte): Die Tigers stiegen 2002 in die Meisterschaft ein und wurden zu einem zuverlässigen Team im SAFV, auch wenn die grossen Erfolge ausblieben. 2006 wurden die Tigers mit einem starken Schweizer Team Schweizer NLB-Meister, der Exodus zu den Grizzlies auf die Folgesaison hin hat die Tigers aber bis heute weit ins Mittelmass der NLB zurückgeworfen. Keine Rolle spielten bisher die Tigers Juniors, die sich in den acht Jahren ihrer Existenz nie für die Halbfinals qualifizieren konnten.

10. Lausanne Sharks (32 Wertungspunkte): 2001, im stärksten Jahr der Sharks, qualifizierte sich Lausanne für die Playoff der damals besten sechs Teams. Danach gings abwärts, und seit 2006 nahmen die Sharks nicht mehr in der Schweiz, sondern in der wenig kompetitiven Westschweizer Liga NSFL teil. 2010 werden die Sharks, neu unter dem Namen Lausanne University Club (LUC), wieder in der NLB mitspielen. Auch Lausannes Juniors hatten keine Ambitionen auf einen Platz an der Spitze, zwei 5. Plätze waren in der letzten Dekade das höchste ihrer Football-Gefühle.

Weitere Teams, die im letzten Jahrzehnt in der Schweiz gespielt haben, aber es nicht in die Top 10 des Jahrzehnts schafften:
Aarau Raptors 2000
Basel Meanmachine (nur Juniors) 2000
Freiburg Sacristans (De) 2001
Brig Falcons 2005
Fribourg Cardinals 2006 - heute
Luzern Lions 2008 - heute
Hohenems Blue Devils (nur Juniors) 2008


Hier gehts zu den kompletten Statistiken der Jahre 2000-2009
Hier gehts zum Gästebuch



Veröffentlicht am:
21:42:31 18.12.2009 von Broncos_Redaktion

Letzte Aktualisierung
13:31:53 20.12.2009


-->